Kirchenasyl – Schutz unter dem Dach der Kirche?

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Sie suchen Kirchenasyl?

Was Sie in aller Kürze wissen sollten:

  1. Sie brauchen zuerst eine Kirchengemeinde, die bereit ist Kirchenasyl für Sie zu machen. Diesen Platz müssen Sie oder Ihre UnterstützerInnen selbst finden.
  2. Das Asylpfarramt kann keine Plätze für Kirchenasyl vermitteln.
  3. Pfarrer Schlecht berät evangelische Kirchengemeinden in Württemberg, die überlegen, Kirchenasyl zu geben. Bei Fragen zum Kirchenasyl bezüglich anderer Bundesländer wenden Sie sich bitte an Kirchen und Beratungsstellen vor Ort.
  4. Kirchenasyl kann nur die Kirchengemeinde vor Ort geben. Der Kirchengemeinderat sollte vorher Zeit haben, sich über den konkreten Einzelfall zu informieren. Es braucht einen in geheimer Abstimmung gefassten Beschluss des Kirchengemeinderats, der konkreten Person Kirchenasyl zu gewähren. Erst dann beginnt das Kirchenasyl.
  5. Es ist von Vorteil, Menschen aus der lokalen Kirchengemeinde zu kennen, bevor die Frage nach Kirchenasyl dringend ist.
  6. Bei Pfarrer Schlecht bekommen Kirchengemeinden wichtige Informationen, um ein Kirchenasyl zu prüfen, anzumelden und um die jeweiligen Stellen wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das Regierungspräsidium und die zuständige Ausländerbehörde zu informieren.
  7. Pfarrer Schlecht berät Kirchengemeinden in der Regel so, dass für Kirchenasyl in den evangelischen Kirchen in Württemberg eine besondere individuelle Härte vorliegen muss.
  8. Besondere Härten (Lebensgefahr) sind meist:
    1. schwere Erkrankungen (möglichst mit fachärztlichen Gutachten und Attesten belegt).
    2. besondere familiäre Beziehungen ("Kernfamilie") zu Menschen in Deutschland.
    3. (nachweisbare) besonders unmenschliche Behandlung im "Dublin-Einreiseland".
    Weil sich in Deutschland jemand schon eingewöhnt hat und das Leben hier scheinbar bessere Perspektiven bietet als in anderen europäischen Ländern, ist kein ausreichender Grund!
  9. Es muss ein im Asylrecht und in Kirchenasyl-Verfahren erfahrener Rechtsanwalt beteiligt sein. Ohne gut erreichbaren, engagierten Rechtsanwalt im Hintergrund ist Kirchenasyl nicht zu empfehlen.
  10. Kirchenasyl bedeutet, dass die betroffene Person monatelang die Kirche oder das Gemeindehaus nicht verlassen kann. Das ist für alle Beteiligten anstrengend. Überlegen Sie genau, ob Sie das aushalten können.
  11. Kirchenasyl ist eine Form von zivilem Ungehorsam. Wer zivilen Ungehorsam leistet, sei es aus noch so ehrenwerten humanitären Gründen, muss damit rechnen, dass der Rechtsstaat dagegen vorgeht. Es kann sein, dass gegen die Pfarrerin oder die Kirchengemeinderäte ein Ermittlungsverfahren wegen "Beihilfe zu illegalem Aufenthalt" eingeleitet wird. In diesem Fall kann es wiederum sein, dass eine Strafe ausgesprochen wird oder dass das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt wird. Letzteres ist kein Freispruch. Beides kann persönliche Folgen für die Kirchenasyl-Unterstützer haben!
  12. Menschen im Kirchenasyl bekommen selten Geld oder andere Leistungen vom Sozialamt. Die Lebenshaltungskosten z.B. für Nahrungsmittel, die Versorgung im Krankheitsfall und die Rechtsanwaltskosten werden von der Kirchengemeinde zu tragen sein.

Kirchenasyl ist für die Kirchengemeinde viel zusätzliche Arbeit. Die, die es gemacht haben, sagen aber auch, es war eines der sinnvollsten Dinge, die sie bisher als Kirchengemeinde miteinander gemacht haben.

Pfarrer Joachim Schlecht